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Liebe Sponsoren,

Dank Ihnen, hatte das KTEP nun zum zweiten Mal die Möglichkeit ein Team nach Tacloban zu schicken, um den Geschädigten des Super -Taifuns „Yol

anda“ zu helfen.

Dieses Mal traten wir, Patrick Saiger (zum zweiten Mal) und Katja Math, die Reise an.

In dem folgenden Bericht möchten wir Ihnen erläutern, wie wir den Menschen dort geholfen haben und in welchem Zust

and sich Tacloban drei Monate nach der Katastrophe befindet.

“And what’s about us?” (Und was ist mit uns?) waren wohl die Worte die wir in diesen Tagen am Meisten gehört haben. Es ist nicht gerade einfach Diejenigen auszuwählen, die Material bekommen. Sicher ist nur eins: Brauchen tun es alle!

Wir mussten sehr harte Entscheidungen fällen und Familien bestimmen, die unsere Hilfe am dringendsten benötigten. Unter

anderem haben wir entschieden, nur wenigen bzw. äußerst bedürftige Familien, die in Zelten der UNHCR („United Nations High Commissioner for Refugees“/ „Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen” ist eine humanitäre und unpolitische Organisation mit dem Auftrag, Schutz und Hilfe für Flüchtlinge in aller Welt zu leisten.) leben, Materialen zu geben. Sie hätten den Wiederaufbau ihres eigenen Zuhauses zwar genauso verdient, dennoch sind sie durch die Zelte mehr vor den Gezeiten geschützt, als die Familien, deren „Häuser“ aus durchlöchertem Wellblech bestehen.

Einer dieser Personen war dieser Mann, desen Geschichte uns sehr beeindruckt hat.

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Während des Taifuns kletterte er auf eine Palme und rettete somit sein Leben. Glücklicherweise, wählte er genau diejenige Palme aus, die dem Sturm standhielt. Fast alle Palmen um ihn herum sind abgeknickt oder umgestürzt. An seinen Armen trägt er Narben von tiefen Wunden, die er sich durch das Festklammern zugezogen hat. Auch ihm haben wir Material gegeben, um sein zerstörtes Zuhause wieder aufbauen zu können.

Das ist nur eine von vielen Geschichten, die an diesem Tag passiert sind. Viele haben es nicht geschafft, eine Möglichkeit zu finden ihr Leben zu retten.

„A lot of people died here” erzählt uns eine ältere Frau, als wir durch die Ruinen ihres Viertels durchliefen.

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17 Menschen sind allein in diesem Gebäude gestorben. Es war ein Resort.

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Diese Frau hat ihr Haus und ihre beiden erwachsenen Söhne verloren. Sie lebt übergangsweise bei Bekannten. Wir konnten ihr mit Baumaterialien helfen, damit sie sich ihr Heim wieder aufbauen kann.

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Eines der Wohngebiete, in denen wir Baumaterial verteilt haben. Die Häuser sind komplett zerstört, nur noch der Boden und kleine Teile der Wände sind verblieben. Dieser tragische Zustand erwartete uns in den meisten Viertel, die sich nah an der Küste befinden.

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Es war sehr schön zu beobachten, wie unsere Materialen sofort genutzt wurden. Wir haben einige Viertel zweimal besucht, um nachzuschauen, ob das Material auch wirklich zum Bau des neuen Eigenheims verwendet wurde. Ein in Beispiel hierfür ist dieser junge Mann, der unsere Hilfe umgehend angenommen hatte und die Spanplatten einige Minuten später an seine Hütte montierte. Er konnte somit seine Hütte wetterbeständiger machen.

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Diese Frau wohnt in dem Auto das hinter ihr steht. Ihr Mann repariert kostenlos kaputte Autos. Wir haben ihr Baumaterial für ihr neues Zuhause gegeben.

Besonders schwer haben es jedoch die Überlebenden. Durch die große Zerstörung (Fabriken, Hotels, Geschäfte etc. ) sind viele Arbeitsplätze verloren gegangen. Die Menschen haben kein Einkommen und können sich somit auch keine neuen Materialien leisten, um ihre Häuser wieder aufzubauen.

Eine soziale Absicherung gibt es in den Philippinen nicht. Die Menschen sind auf sich selbst gestellt. Ein Bankkonto für Erspartes ist bei der ärmeren Bevölkerung normalerweise nicht vorhanden.

Zusätzlich zu der wirtschaftlichen Situation Taclobans stellen auch die privaten Schicksale der einzelnen Familien ein großes Problem für den Wiederaufbau dar. 9,5 Millionen Menschen wurden von dem Taifun betroffen. Dabei sind, wie bereits erwähnt, sehr viele gestorben. Ebenfalls wurden sehr viele Menschen schwer verletzt oder haben Körperteile verloren. Da nur selten eine Krankenversicherung vorliegt, müssen die Betroffenen ihr eigenes Geld für Medikamente verwenden.ÂÂ

So auch eine Familie, die wir kennen gelernt haben. Vor dem Taifun lebten sie in einem (für philippinische Verhältnisse) guten Haus. Durch den Wirbelsturm wurde ihr Haus komplett zerstört. Der Vater und der Sohn haben Beide ein Bein verloren. Sie werden nur schwer Arbeit finden und somit ist es problematisch für sie, sich ein Einkommen zu sichern.

Auch dieser junge Mann ist dem Taifun zum Opfer gefallen. Es scheint, als sei er ein gesunder, kräftiger Mann, dem es leicht fällt wieder Arbeit zu finden. Doch was man auf dem Bild nicht sieht: Er hat nur noch ein Bein.

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Nun möchten wir beschreiben, wie konkret wir den Menschen geholfen haben, bzw. wie wir die Spenden eingesetzt haben. Wir haben von dem Geld ausschließlich Wellblech und Sperrholz gekauft. Diese Materialen sind am teuersten und werden am dringendsten benötigt. Da die Menschen, die sich provisorische Hütten gebaut haben meistens kaputtes, herumliegendes Wellblech verwendet haben. Dieses ist jedoch stark von Löchern durchsetzt, weswegen bei Regen, die ganze Hütte unter Wasser steht.

Die Umsetzung des Einkaufs und der Verteilung der Materialien gestaltete sich jedoch nicht ganz einfach. Da wir viele Baumaterialen brauchten, mussten wir mehrmals zum Baumarkt. In diesem herrschte jedoch großer Andrang, da viele Menschen mit dem Wiederaufbau in Tacloban beschäftigt sind. Besonders unpassend war, dass die Regierung die Öffnungszeiten von 8 Uhr bis 16 Uhr beschränkt hatte und der Baumarkt sonntags durchgehend geschlossen war. Leider verbrachten wir somit viel Zeit mit Warten um an unser Material zu kommen. Dank der Hilfe eines örtlichen Pastors, der uns seinen Transporter zur Verfügung stellte, konnten wir die Kosten für den Transport sehr gering halten. Benzin übernahm die JIL Church Tacloban.

Nur einmal mussten wir ein anderes Transportmittel mieten, da an diesem Tag der Pastor sein Auto selbst für einen wichtigen Termin brauchte. Der Preis für den LKW beschränkte sich jedoch auf 25 Euro. An diesem Tag konnten wir besonders viel erreichen, da wir durch die große Ladefläche viel Material auf einmal transportieren konnten. Zusätzlich halfen uns drei Helfer des Fahrers beim Auf- und Entladen der Materialien.

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Auf unserer Hinreise ins Katastrophengebiet erfuhren wir von verschiedenen Einheimischen und Ausländern, dass Tacloban durch die große Medienpräsenz viele Spenden und Hilfsgüter empfangen hatte. Die weiter entfernten Gebiete, die teilweise genauso stark vom Taifun getroffen wurden, gingen dabei nahezu leer aus. Deswegen entschieden wir uns im Vorfeld, nicht das ganze Budget für Tacloban zu verwenden. Die Vergabe der Materialien teilte sich wie folgt auf. Wir haben 290.000 Philippinische Pesos (ca. 4.800 Euro) für Tacloban und 47.000 Philippinische Pesos (ca. 780 Euro) für Ormoc ausgegeben. Ormoc ist eine Stadt an der Westküste der Insel Leyte auf der sich auch Tacloban befindet. Sie ist ungefähr 2 Stunden von Tacloban entfernt. Dank des erneuten Kontaktes der JIL Kirche, konnten wir die Materialien auch dort kostenlos transportieren. Die Regierung von Ormoc unterstützt die Bevölkerung zwar beim Wiederaufbau, jedoch läuft dieses Verfahren sehr korrupt ab. Die Baumaterialien werden von den “Bezirksvorsitzenden” verwaltet. Diese vergeben sie jedoch nur zu Denjenigen, die sie zuvor unterstützt oder gewählt haben. So mussten wir erfahren, dass viele notdürftige Familien keine Hilfe bekamen. Diesen Menschen konnten wir helfen.

So zum Beispiel auch diesem Mann. Er ist unter anderem Gehilfe des Pastors und hat kräftig bei unserer Verteilung unterstützt. Zum Glück hat er eine Arbeitsstelle, da Ormoc wirtschaftlich nicht so stark betroffen ist wie Tacloban. Er allein kommt für den Lebensunterhalt für seine Mutter und seine Geschwister auf. Sein Vater ist gestorben. Durch einen Kredit seines Unternehmens konnte er das Dach finanzieren, für den Rest reicht es jedoch nicht mehr.

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Uns hat diese Hütte in einer gewissen Weise berührt. Als wir sie zum ersten Mal sahen, dachten wir: „Diese Hütte wird aber groß“. Bis zu dem Zeitpunkt als wir uns die Maße verinnerlichten und uns dann bewusst wurde, dass die Größe des gesamten „Hauses“ für eine Familie nicht einmal der Größe unseres Zimmers in Deutschland entsprach.

Man kann eigentlich gar nicht nachvollziehen, was diesen Menschen passiert ist, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Diese Menschen haben ihr Heim, ihre Geliebten und/oder ihren Job verloren. Sie stehen vor dem Nichts. Und die Probleme hören nicht auf. Hunderte von Familien können ihr Haus nicht wieder aufbauen, da sich ihr Grundstück jetzt in einer sogenannten “No-Build-Zone” befindet. Das bedeutet, dass dort wo früher ihre Häuser standen, keine neuen gebaut werden dürfen.

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Diese Menschen leben seit drei Monaten in “People Centers”. Das sind große Gebäude, wie z.B. Bibliotheken in denen 100 Familien leben in abgetrennten Räumen leben. Sie warten nur darauf, bis die Regierung ihnen einen neuen Platz zum Bauen zuweist. Diesen Menschen konnten wir leider nicht helfen, da sie noch nicht wissen, wo sie in Zukunft leben werden. Wir hoffen aber, dass auch sie Hilfe bekommen und in eine hoffnungsvolle Zukunft blicken können.

Die Menschen in Tacloban werden nie mehr das gleiche Leben haben wie vorher, obwohl sie keine Schuld an der tragischen Naturkatastrophe haben.

Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bei Ihnen für Ihre Spende bedanken. Auch im Namen der über 100 Familien denen wir Materialien geben konnten. Vielen herzlichen Dank.

 

Mit freundlichen Grüßen

Patrick Saiger & Katja Math